Posemukel wie Du und ich von Tante Steffi

Von Melanie17. April 2010

Gespräche

„Posemukel“ heißen die stets schlafenden Schönheiten, die Tante Steffi neben Schlafbrillen, Lavendelpüppchen und Traubenkernkissen in ihrem DaWanda-Shop anbietet.

Es versteht sich von selbst, dass die aus bunten Stoffen handgenähten Geschöpfe von Tante Steffi alle einen eigenen Namen und eine eigene Persönlichkeit haben. So gibt es das unverbesserliche Weichei Dudi Dotterweich, den schwulen Collin mit dem Polifting, dessen ebenso schwulen Bruder Querin, der am allerliebsten Streifenwagen fährt sowie den quirrligen Smirre, der stets den Schalk im Nacken trägt. Und die vier haben einen großen Freundeskreis, der bei Tante Steffi ein und aus geht! Obwohl die Posemukel charakterlich höchst unterschiedlich sind, haben sie doch eines gemein: Sie schlafen für ihr Leben gern.

Aloha Loisel

Bevor man sich entscheidet, einen Posemukel zu sich zu nehmen, sollte man unbedingt das folgende über den Posemukel „an und für sich“ wissen:

„Die Gattung der Posemukel ist eine ganz besonders zahme und erinnert an freundliche Kuscheltiere. 
Die Lieblingsbeschäftigung der possierlichen kleinen Zeitgenossen ist Schlafen. Meist tun sie dies rund um die Uhr. 
Es gibt auch vereinzelte Exemplare, die nicht nur schlafen, sondern auch heimlich essen. Mit Vorliebe schleichen sie nachts unbemerkt an den Kühlschrank, um sich anschließend dem Verdauungsschläfchen hinzugeben. 
Selten ist ein Posemukel wach, dann allerdings ist es meist selbst über diesen Zustand erstaunt, wenn nicht gar erzürnt.”

Molko Ihr bevorzugter Lebensraum ist der menschliche Bau. 
Sie eignen sich daher besonders gut zur Haltung in Babybetten und an der Seite liebevoller Mittdreißiger. Vereinzelt hat man sie sogar schon in den Armen männlicher Menschen zu Gesicht bekommen.
Posemukel haben nur wenige natürliche Feinde: Staubsauger, spielfreudige Hunde und eifersüchtige Katzen.“

Gustav und Martha

Blog mit Speck hat „Tante Steffi“ ein paar Löcher in den Bauch gefragt. Lest selbst, was dabei herauskam:

Gerne würden wir auch ein Gefühl dafür bekommen, wer sich hinter „Tante Steffi“ verbirgt. Könntest Du uns ein bisschen was über Dich verraten?

Nun ja, ich heiße überraschenderweise Stefanie, bin 35 Jahre alt und wohne in Wiesbaden. Man kennt mich bei Twitter auch als Posemukel. Im Erwachsenenleben bin ich Dipl.-Bibliothekarin und arbeite in einer Buchagentur. Um diesen Fakt ein bisschen aufzupeppen, habe ich mein Hobby „Tante Steffi“ gegründet, das bislang aus meinem kleinen Shop bei DaWanda besteht.

Gustav und Martha

Wie lange gibt es das Label „Tante Steffi“ bereits und kannst Du uns ein bisschen davon erzählen, wie alles anfing?

Anfang 2007 hab ich die Onlineplattformen Etsy und DaWanda entdeckt – als Kundin, versteht sich. Ich war total begeistert von dem dortigen Angebot an schönen selbstgemachten Dingen und etwas neidisch, weil ich selbst nicht nähen konnte. Das brachte mich dann aber irgendwann drauf, es doch einfach mal zu versuchen. Ich hab also eine Nähmaschine gekauft, mich dran gesetzt und schon entstand das erste Wesen (das bis heute übrigens noch namenlos geblieben ist). Das war Anfang 2008.
Der erste Posemukel entstand dann ganz schnell und wurde einem damals 5-jährigen Mädchen zum Geburtstag geschenkt. Die großen Augen und das strahlende Gesicht waren allein schon Grund genug, mit dem Nähen weiterzumachen und dienen bis heute in meinem Kopf als Motivation, wenn ich mal eine Keine-Lust-Phase habe. Zeitgleich kündigte mein Bruder seinen ersten Nachwuchs – meine Nichte – an, womit dann auch mein Labelname geboren war.

Woher kam die Idee zu Deinen Posemukels (oder heißen sie Posemukeln?) und was hat es mit dem Namen auf sich?

Die Idee kam wie erwähnt durch die Inspiration von anderen. Ursprünglich wollte ich richtige Monster in der Art der „Ugly Dolls“ nähen, wovon es aber schon so viele gibt, dass ich dachte, meine Tierchen könnten ja auch einfach freundlich und lieb sein.
Die Geschichte zum Namen ist auch entsprechend unspektakulär: ich schaute mit meinem damaligen Freund „Wer wird Millionär?“, als nach diesem Ort in Polen gefragt wurde und die Antwort c) „Posemukel“ direkt als Kosename für mich verwendet wurde. Ich wurde aber nicht lange so genannt, also hab ich den Namen einfach weitergeleitet an meine Kleinen. Der Ort Posemukel (oder auch Posemuckel und Pusemuckel) wird ja oft als Synonym für ein verschlafenes, abgeschiedenes Nest benutzt. Deshalb ist der Name auch so passend: weg vom großstädtischen Gewusel, Zeit anhalten, Antistressgesellen in den Arm nehmen, kuscheln. Der Plural von Posemukel ist allerdings noch nicht ganz geklärt. Ich nenne sie Posemukel, ohne Anhang von s, n, i oder e. Aber das überlasse ich gern jedem selbst – ebenso wie die Frage, ob es nun der oder das Posemukel ist.

Deine Figuren scheinen fröhliche Zeitgenossen zu sein, doch haben sie stets die Augen geschlossen. Was hat es damit auf sich?

Posemukel sind in erste Linie friedlich. Natürlich haben sie unterschiedliche Charaktere und so manch einer kann auch schon mal sehr grummelig oder jähzornig sein. Im Grunde ihres Watteherzens sind sie aber gutmütig und gemütlich. Und da sie nun mal die meiste Zeit mit schlafen verbringen, bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als unglaublich lässig und in der Folge eben auch müde zu sein. Das liegt bei uns in der Familie. Um die Frage, warum sie denn nun eigentlich meistens schlafen, ranken sich bereits Mythen und Sagen. Es soll etwas mit ihrer provinziellen Herkunft zu tun haben. Das allerdings bleibt wohl für immer ungeklärt.

Stell Dir vor, Du selbst würdest als Posemukel wiedergeboren. Wie würde dieser Tante Steffi Posemukel aussehen?

Optisch? Eher mit Neigung zur Moppeligkeit, gerne in Meeresfarben gehalten, also blau-grün-türkis. Wahrscheinlich wäre er süchtig nach Fruchtlabello, könnte nicht bei geöffneten Schranktüren schlafen und hätte ein Faible für Kuchen aller Art. Charakterlich wäre er freundlich, treu, ziemlich pessimistisch, aber sicher auch selbstironisch und wenig zickig. Ein Posemukel wie du und ich!

Wenn Du heute einen Blick in die Kristallkugel wirft, wo siehst Du „Tante Steffi“ in ein paar Jahren? Wohin soll die Reise gehen?

Das ist wirklich sehr schwer zu sagen. Ich nähe ja nur so nebenbei, weshalb mein DaWanda-Shop auch selten sehr prall gefüllt ist. Ein Traum wäre natürlich, davon leben zu können, im Idealfall mit eigenem kleinen Lädchen. Die Umstände werden das aber leider zu verhindern wissen. Deshalb wird es sicher einfach erstmal so weitergehen bis mir was Neues einfällt.

Das war Teil 2 aus der Reihe Quietschideen.
Teil 1: Zierstiche: Lovely Monsters und Co. für die Kleinen und Kleingebliebenen

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